5. November 2021

Welche Krankenversicherung für das Referendariat?

Wenn du kurz vorm Einstieg ins Ref stehst, wirst du dich sicherlich fragen, wie das jetzt eigentlich mit der Krankenversicherung abläuft und welche Krankenversicherung im Referendariat für dich sinnvoll ist.

Denn mit dem Einstieg ins Referendariat und dem damit verbundenen Start in die Beamtenlaufbahn hast du
die freie Wahl – entweder gesetzliche Krankenkasse oder die private Krankenversicherung. Aber welche Krankenversicherung für das Referendariat solltest du nun wählen?

Die GKV und die PKV sind erstmal zwei komplett unterschiedliche Krankenversicherung Systeme. Genauere Unterschiede findest du hier.

Als kommende Beamt*in hast du grundsätzlich Anspruch auf Beihilfe. Diese ist eine besondere Fürsorgepflicht des Staates für Beamt*innen. Die Beihilfe übernimmt einen Teil der Aufwendungen bei Ärzt*innen, egal ob Hausärzt*in, Frauenärzt*in oder auch Krankenhaus sowie Arznei- oder Heilmittel. In der Regel liegt der Beihilfesatz bei 50 %. Je nachdem, aus welchem Bundesland du kommst und wie deine persönliche Situation ist, kann sich dieser im Laufe deiner Karriere als Lehrer*in auch verändern. Diese Form der individuellen Beihilfe kannst du nur dann in Anspruch nehmen, wenn du dich für eine private Krankenversicherung entscheidest. Wie die Aufteilung der Krankheitskosten dann funktioniert, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Wenn nun also 50 % der Krankheitskosten von der Beihilfe übernommen werden, bleiben ja noch 50 % übrig, die die Ärzt*in ja auch noch bekommen möchte. Damit du diese restlichen Kosten nicht selbst übernehmen musst, wird dieser restliche Anteil über eine private Krankenversicherung abgesichert. Somit werden deine Krankheitskosten zu 50 % von der Beihilfe, und zu 50 % von der privaten Krankenversicherung übernommen.

Wie sieht es bei der gesetzlichen Krankenkasse aus?

Bei der gesetzlichen Krankenkasse erhältst du keinen Zuschuss von deinem Dienstherrn und auch die Beihilfe übernimmt keinen Anteil bei dem Beitrag. Wenn du dich für die gesetzliche Krankenkasse entscheidest, bist du also genauso abgesichert wie der Großteil der Angestellten in Deutschland und profitierst leider nicht von der Beihilfe.

Wie hoch ist der monatliche Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse?

Deine Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse trägst du selbst. Diese richten sich ausschließlich nach deinem Einkommen und werden prozentual bemessen. Das bedeutet leider auch, dass dein Beitrag steigt, sobald du mehr verdienst (z.B. nach dem Referendariat).

In manchen Bundesländern gibt es jedoch (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Thüringen) die sog. Pauschale Beihilfe. Bei dieser zahlt der Dienstherr grundsätzlich die Hälfte der Beiträge der Krankenversicherung, unabhängig ob du privat oder gesetzlich versichert bist.

Mehr zum Thema Pauschale Beihilfe erfährst du in einem anderen Blogartikel.

Und was kostet die private Krankenkasse?

Wenn du dich für die private Krankenkasse entscheidest, bekommst du ja 50 % Beihilfe. Dadurch musst du dann über die private Krankenversicherung nur noch 50 % “restabsichern”. Durch diesen Vorteil, kommst du als Beamt*in deutlich günstiger an eine private Krankenversicherung als z.B. eine Angestellte*r. Der Beitrag der privaten Krankenversicherung ist übrigens nicht wie bei der GKV von deinem Einkommen abhängig, sondern von drei Faktoren:

Eintrittsalter, Gesundheitszustand und gewählte Leistungen

Damit der Unterschied ganz klar wird, habe ich hier ein typisches Beispiel für dich.

In unserem Beispiel betrachten wir eine 26-jährige, kinderlose Referendarin aus NRW:

  • Gesetzlich versichert (Techniker Krankenkasse):

    •  1550 € mtl. Besoldung im Ref 

    • 15,8 % Beitragssatz (allgemeiner Beitragssatz 14,6 + 1,2 Zusatzbeitrag) 

    • 3,30 % Pflegepflichtversicherung

    • In diesem Beispiel zahlt die 26-jährige Referendarin einen Beitrag von 274,50 € monatlich für die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Privat versichert: (ohne Risikozuschlag inkl. 2 Bettzimmer, Chefarzt und Kurtagegeld)

    • Hier bekommt die 26-jährige Referendarin ihren privaten Versicherungsschutz schon ab 83,49 € monatlich. 

 
Wenn es um die Beiträge geht, hat die private Krankenkasse durch die Kombination mit der Beihilfe also eindeutig die Nase vorne. Aber natürlich kann es auch hier bei bestimmten Konstellationen Ausnahmen von der Regel geben. Hier lohnt sich dann ein genauerer Blick auf deine individuelle Situation.

Noch eine kurze Anmerkung, weil oft danach gefragt wird:

Sowohl die Beiträge der privaten, als auch die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung steigen mit der Zeit. Bei der gesetzlichen Krankenkasse geschieht dies einerseits durch dein steigendes Einkommen und zudem durch eine stetige Anpassung der Beitragsbemessungsgrundlage. Außerdem kommt es in den letzten Jahren zunehmend vor, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen ihren Zusatzbeitrag erhöhen.

Bei den privaten Krankenkassen gibt es ebenfalls Beitragserhöhungen, allerdings liegt das hauptsächlich an den steigenden medizinischen Kosten. Hier kann es sein, dass du zwei, drei Jahre den gleichen Beitrag zahlst, die nächste Erhöhung dann aber oftmals etwas deutlicher ausfällt. (Bei der gesetzlichen Krankenkasse steigt dein Beitrag in kleineren Schritten, dafür aber Jahr für Jahr)

Leistungen: Welche Versicherungsform bietet dir die bessere gesundheitliche Versorgung?

Wahrscheinlich hast du dir die Frage schon selber beantwortet, denn die meisten haben schon mal davon gehört, dass man in der privaten Krankenversicherung deutlich bessere Leistungen erhält. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich die Wartezeit für Termine beim Arzt. Ob das “Zwei-Klassen-Prinzip” der Gesundheitsversorgung in Deutschland fair ist, möchte ich nicht bewerten, dazu hat jeder seine eigene Meinung, Fakt ist aber, dass es zum jetzigen Zeitpunkt existiert und dir als Beamt*in somit deutliche Vorteile bietet.

Von besseren Leistungen im Krankenhaus (Einzel- oder Doppelzimmer mit Chefarztbehandlung), bei der Hausärzt*in oder der Spezialist*in (moderne Untersuchungen ohne wochenlange Wartezeit) bis hin zur Zahnäzt*in (hochwertige Zahnfüllungen oder Zahnersatz), die private Krankenkasse bietet dir und deiner Gesundheit einfach deutlich mehr.

Bei der GKV kannst du die sogenannte “Grundversorgung” erwarten. Das bedeutet, dass du gerade das bekommst, was ausreichend ist. Wenn du aber bei der Zahnbehandlung eben keine Amalgamfüllung möchtest, sondern lieber eine hochwertige Keramikfüllung, musst du die Differenz entweder selber zahlen oder eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben, die die Kosten für Zahnfüllungen und Zahnersatz übernimmt.

Wenn du also aus gesundheitlichen oder anderen Gründen keine Möglichkeit hast, dich privat zu versichern, kannst du dich mal bei den privaten Zusatzversicherungen umschauen und dich in den Bereichen, die dir besonders wichtig sind, etwas besser absichern.

Du hast dich zwischen GKV und PKV entschieden? Wie wählst du nun die richtige Gesellschaft aus?

Die Wahl deiner GKV ist ziemlich einfach, da sich die Leistungen zu 95% gleichen und gesetzlich vorgeschrieben sind. Schau einfach, welche dir am besten gefällt und wenn du etwas Geld sparen möchtest, suche dir eine GKV aus, die einen niedrigen Zusatzbeitrag erhebt (dieser liegt zwischen 0,35% und 2,5%).

Bei der PKV ist die Auswahl schon etwas schwieriger, da sich die Tarife und die Gesellschaften doch sehr stark voneinander unterscheiden.

Jede Gesellschaft hat ihre Stärken und Schwächen in den verschiedenen Bereichen, daher auch dir am besten die aus, die ihre Stärken bei Themen hat, die dir besonders wichtig sind.

Bei der Auswahl der richtigen PKV würde ich dir zudem unbedingt empfehlen, dich ausführlich beraten zu lassen, denn im Idealfall wirst du dein Leben lang bei dieser Versicherung bleiben.

Ebenfalls wichtig: Es kann sein, dass du von der ein oder anderen privaten Krankenversicherung gar nicht, oder nur mit Einschränkungen angenommen wirst.

Daher achte ich bei meiner Beratung immer darauf, erstmal das Feedback der Gesellschaften abzuwarten und erst dann mit der Auswahl der passenden Versicherung zu beginnen. Das spart nicht nur Zeit und Aufwand, sondern schützt auch vor allzu großer Enttäuschung.

Fazit:

Auf den ersten Blick macht die private Krankenversicherungen für angehende Lehrer*innen wohl am meisten Sinn, weshalb sich auch gut 95% für diesen Weg entscheiden. Dafür spricht zum einen, dass der monatliche Beitrag günstiger ist, die Leistungen stärker sind und du auch noch einen Teil der Arztkosten über die Beihilfe abgesichert hast.

Unter gewissen Umständen macht aber auch ein Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse Sinn. Gerade wenn aufgrund von Vorerkrankungen ein Wechsel in eine private Krankenversicherung nicht möglich ist, bleibt neben der Beamtenöffnungsaktion (dazu kommt noch ein separater Blogartikel) nur die gesetzliche Krankenkasse übrig.

Wichtig ist vor allem, dass du dir einen neutralen und transparenten Vergleich anschaust und dich gut beraten lässt. Eine private Krankenversicherung ist oftmals auch schon bei Referendar*innen eine Entscheidung fürs Leben. Spare daher bitte nicht an der falschen Stelle und achte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf weitere wichtige Faktoren wie die Beitragsstabilität, die Leistung, den Beihilfeergänzungstarif und natürlich auch auf die Bereiche, bei denen dir persönlich gute Leistungen sehr wichtig sind. Gerade bei den Leistungen steckt der Teufel oft im Detail, bzw. im Kleingedruckten.

Ich hoffe, dieser Blog-Beitrag konnte dir eine erste Orientierung geben und dich deiner Entscheidung ein Stück näherbringen.

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